Natürlich gibt es wunderschöne fertige Feldküchen, die genau wie meine in der Regel als Anhänger konstruiert sind und so richtig „professionell“ ausschauen. Warum habe ich meine dann selbst aufgebaut? Darauf gibt es Antworten in vier Kategorien:
1. Material: Nahezu alle zu überschaubaren Kosten verfügbaren Feldküchen aus den 60er und 70er Jahren wie die bei den Hilfsorganisationen weit verbreiteten Progress 57/4 (Bild unten) und 57/5 sowie die NVA-FKÜs aus DDR-Produktion (Bild unten) haben Kessel aus Aluminium. Alles aus der Zeit davor auch. Die meisten Kommunen tolerieren die Verwendung der alten Alukessel für den gewerblichen Einsatz inzwischen nicht mehr. Oft werden diese Feldküchen dann günstig angeboten, ohne das zu erwähnen. 😉 Außerdem bekommen die meist über 50 Jahre alten Alukessel mit der Zeit Risse. Da lagern sich im besten Fall Lebensmittelreste ab, im ungünstigsten Fall werden sie undicht. Bei den NVA-FKÜs kommt noch hinzu, dass sie nur einwandig sind. Also immer schön rühren. Meine doppelwandigen Edelstahl-Kessel sind da wesentlich unkritischer und entsprechen heutigen Anforderungen.
2. Gewicht und PKW-Tauglichkeit: Die meisten Feldküchen wiegen leer deutlich über eine Tonne und sind konstruktiv für LKWs als Zugfahrzeuge ausgelegt. Erstabnehmer waren und sind halt in erster Linie Militär und Katastrophenschutz, d.h. gebrauchte Exemplare kommen fast ausnahmslos aus dieser Ecke. Damit haben sie in der Regel auch keine Auflaufbremse und schon gar keine zugelassene Kugelkopfkupplung in passender Höhe, was den Betrieb am PKW mit B-Führerschein gleich mal ausschließt und/oder teure Umbauten erfordert. Meine Feldküche wiegt mit voller Befüllung der Kessel plus zwei Gasflaschen gerade mal 360kg und kann damit praktisch von jedem PKW(-Fahrer) gezogen werden. Auch das Handling am Einsatzort ist natürlich ein ganz anderes.
3. Flexibilität und einfache Reinigung: Klassische Feldküchen sind grundsätzlich für den Betrieb mit Festbrennstoffen wie Kohle oder Holz ausgelegt, Brennraumeinsätze für Gas oder Diesel stehen als Option bereit. Das bedingt einen schweren geschlossenen Rauchkasten mit Kamin, in den die Kessel oder Pfannen rauchdicht fest eingesetzt sind. Das macht das Ganze gewichtig (s.o.) und wenig flexibel. Mit meiner „offenen“ Konstruktion sieht das weniger klassisch-profimäßig aus, ist aber wesentlich flexibler. Außerdem kann ich die Kessel für die Reinigung einfach herunternehmen oder auch abseits des Anhängers betreiben.
4. Kosten: Will man volle Flexibilität und die Erfüllung aktueller Anforderungen (s.o.), bleibt auf dem Gebrauchtmarkt fast nur eine Kärcher TFK 250 als Referenz übrig (Bild unten). Die wurde ungefähr von 1992 bis 2021 produziert und ist echt das Nonplusultra. Hätte ich auch gerne und träume öfter davon. Hat zuletzt neu – quasi im Ausverkauf – auch nur schlappe 110.000€ gekostet. Zuzüglich MWSt. Man kann sich jetzt schon ganz grob vorstellen, was ein wirklich einsatzfähiges und auf PKW-Betrieb umgebautes Exemplar mit ziviler Straßenzulassung und TüV heute kostet. Konkret aktuell so ab 20.000€ aufwärts. Wieder zuzüglich MWSt. Im Verhältnis zum Neupreis günstig, doch immer noch ein echter Brocken. Etwas günstiger wäre die modulare zivile Version MFK, doch die ist selten zu bekommen. Deshalb habe ich beide nicht, leider. Meine ist nicht ganz so schick, ist nicht für Kriegseinsätze gedacht und hat auch keinen Backofen, ist aber leichter zu reinigen und kostet einen Bruchteil.

Kärcher Futuretech TFK 250

Progress 57/4

NVA FKÜ 180/72

Meine